Geschichte



2018: Der wegen Korruption verurteilte brasilianische Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat sich der Polizei gestellt. Er verließ am Samstag den Sitz der Metallarbeitergewerkschaft in Sao Paulo, um seine zwölfjährige Haftstrafe anzutreten, wie der Fernsehsender Globo berichtete.

 

Am Freitag hatte Lula noch eine gerichtlich festgesetzte Frist für seinen Haftantritt verstreichen lassen. Er verschanzte sich mit Parteifreunden in dem Gewerkschaftshaus in São Bernardo do Campo. Seine Anwälte legten nochmals Rechtsmittel gegen die Haftstrafe ein, scheiterten damit aber vor dem Obersten Gericht des Landes. Am Samstag kündigte Lula schließlich an, dass er seine Gefängnisstrafe antreten werde.

 

Der Ex-Präsident ist in einen Skandal um Schmiergelder bei Auftragsvergaben an den staatlichen Ölkonzern Petrobras verwickelt. Unter anderem soll er von dem Bauunternehmen OAS die Renovierung eines Luxus-Appartements angenommen haben. Wegen Korruption war er zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Mehrere Anträge, bis zum Ende des Berufungsverfahrens auf freiem Fuß bleiben zu dürfen, wurden abgelehnt. Auch beim Uno-Menschenrechtsausschuss in Genf beantragte Lula eine einstweilige Verfügung, um die Inhaftierung noch abzuwenden.

 

Lula war zwischen 2003 und 2011 brasilianischer Staatschef. Er bezichtigte Brasiliens leitenden Anti-Korruptions-Richter Sérgio Moro der Lüge. Justiz und Medien hätten ihn davon abhalten wollen, bei der diesjährigen Präsidentschaftswahl zu kandidieren, sagte der 72-Jährige. Bei der Wahl im Oktober will er erneut für das höchste Staatsamt kandidieren. Allerdings ist unklar, ob das nach seiner Inhaftierung noch möglich ist. In den Umfragen liegt der linke Politiker mit bis zu 36 Prozent deutlich vorn.

Quelle: n-tv.de
Quelle: n-tv.de


2017: Etwa ein Jahr nach der Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff erschüttert ein neuer Korruptionsskandal Brasilien. Im Mittelpunkt steht der amtierende Präsident Michel Temer. Trotz neuer Enthüllungen um Schmiergeldzahlungen lehnt der konservative Politiker einen Rücktritt ab. Stattdessen fordert er, dass die Ermittlungen gegen ihn ausgesetzt werden. 

 

Auf einer Tonaufnahme ist der brasilianische Präsident zu hören, wie er den Unternehmer Joesley Batista offenbar dazu anregt, weiterhin für das Schweigen eines Kronzeugen im Petrobras-Skandal zu sorgen. In seiner Zeugenaussage bestätigt Batista, der Besitzer des Fleisch-Giganten JBS, das Gespräch. Spezialisten sehen darin Indizien für mehrere Delikte Temers, von Behinderung der Justiz bis hin zu passiver und aktiver Korruption. Die Generalstaatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den Präsidenten beantragt und das Volk schreit nach dem Rücktritt.

 

Die Anwälte Temers behaupten, die Aufnahme sei nicht nur illegal, sondern auch verfälscht. Allerdings hat das Oberste Gericht die Aufnahme für zulässig erklärt, obwohl Batista sie ohne Wissen der Untersuchungsbehörden angefertigt hatte. Was die Echtheit betrifft, gibt es allerdings Zweifel. 

 

Ob illegal oder verfälscht: Allein der Charakter des Gesprächs, das spätabends in der Residenz des Präsidenten stattfand, und die Tatsache, dass Temer scheinbar gelassen von den kriminellen Machenschaften Batistas Kenntnis nimmt, entblössen Temer im besten Fall als Komplizen der Korruption und deren Vertuschung. Selbst wenn dies für ihn nicht Grund genug für einen Rücktritt sein sollte, wird der Faden immer dünner, an dem sein Schicksal hängt. Sein Amt könnte auch durch ein juristisches Verfahren beendet werden, sollte es zu einer Anklage durch die Generalstaatsanwaltschaft kommen und diese von zwei Dritteln des Kongresses gutgeheissen werden. Und auch ein Absetzungsverfahren durch den Kongress ist nicht ausgeschlossen. Bereits liegen mehrere Anträge vor.

 

Der Fall JBS nimmt derweil immer grössere Ausmasse an. Laut Batista hat der Konzern in den vergangenen Jahren fast 2000 brasilianische Politiker aus praktisch allen Parteien geschmiert. So gut wie überführt ist der Senator und frühere Präsidentschaftskandidat Aécio Neves, der ebenfalls auf einer Aufnahme im Gespräch mit Batista zu hören ist – und darauf sehr unmissverständlich über Massnahmen spricht, um die Justiz zu behindern. Das Oberste Gericht hat Neves von seinem Amt suspendiert. 

 

Auch die ehemaligen Präsidenten Lula da Silva und Dilma Rousseff sollen laut Batista Gelder von JBS erhalten haben. Der Unternehmer spricht von 150 Millionen Dollar, die auf einem ausländischen Konto deponiert worden seien.

Quelle: nzz.ch
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2016: Der Machtkampf in Brasilien fand im Jahr 2016 vorerst ein Ende, die Präsidentin Dilma Rousseff wurde durch den Senat abgesetzt. Sie wurde bereits vom Abgeordnetenhaus und dem Senat vorläufig von ihrem Amt suspendiert.

 

Die Justiz hatte die Manipulationen des Haushalts als Grund für ein Impeachment akzeptiert. Es handelte sich dabei mehrheitlich um Richter, die von Rousseff und ihrem Vorgänger Lula da Silva ernannt worden waren und somit nicht als voreingenommen gegen deren Arbeiterpartei gelten können. Für das Jahr 2014 wurden Manipulationen des Haushaltes vom Obersten Rechnungshof festgestellt, der die betreffende Staatsrechnung zurückwies.

 

Letztlich bestand aber natürlich kaum Zweifel, dass der tiefere Grund für das Impeachment in Rousseffs Scheitern in der Präsidentschaft an und für sich zu suchen war. Die Präsidentin war konfrontiert mit zwei gravierenden Krisen, nämlich einer schweren Rezession und einem Korruptionsskandal bisher unbekannten Ausmasses.

Quelle: nzz.ch
Quelle: nzz.ch
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2015:  Im August 2015 gingen erneut hunderttausende Menschen auf die Strassen und protestierten gegen die Regierung von Dilma Rouseff. Die Proteste richteten sich gegen die steigenden Lebenshaltungskosten und gegen den milliardenschweren Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras. Laut Umfragewerten sprachen sich 66% der Brasilianern für eine Ablösung von Rouseff aus.

Quelle: stern.de
Quelle: stern.de


2014: Auch im Fussball-WM-Jahr kamen die Krawalle nicht zur Ruhe. Fahrpreiserhöhungen lösten in Rio de Janeiro erneut gewaltsame Proteste.

Im Herbst wurde Dilma Rousseff mit 51,6% der Stimmen im zweiten Wahlgang für eine weitere Amtsperiode gewählt. Rousseff rief das Volk zum "Frieden und zur Einheit" auf und versprache, den Kampf gegen die Korruption zu verschärfen.

Quelle: fuw.ch
Quelle: fuw.ch



2013: Im Final des Confederations-Cup, welcher in Brasilien stattfand, gewann Brasilien 3:0 gegen Spanien. Das Spiel selbst war jedoch fast nebensächlich. In Brasilien richtet sich der ganze Volkszorn in Form von Krawallen gegen die Regierung, welche unmengen Geld in den Bau von Stadien, jedoch nicht in verstopfte Strassennetze, den öffentlichen Verkehr oder die schlechten staatlichen Schulen investierte.

Quelle: sueddeutsche.de
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2010: Da die brasilianische Gesetzgebung maximal 2 zusammenhängende Amtsperioden erlaubt, empfahl Lula als seine Nachfolgerin Dilma Rousseff. Diese gewann die Präsidentschaftswahlen im zweiten Wahlgang und ist seit 1. Januar 2011 die erste Präsidentin von Brasilien.



2003: Nach 8 Amtsjahren von Präsident Fernando Henrique Cardos, gewann Luiz Inacio da Silva, genannt Lula, die Wahl zum Präsidenten. Trotz stabiler Inflation und wachsender Wirtschaft gelang es Lula nicht, die dringendsten Probleme des Landes wie Armut, Kriminalität soziale Ungerechtigket oder Korruption zu lösen.



1994: Der frühere Finanzminister Fernando Henrique Cardos schafte es als gewählter Präsident, die brasilianische Währung Real stabil zu halten. Die Stabilität der Währung sorgte für eine langsame wirtschaftlichen Aufschwung Brasiliens.

Quelle: pinterest.com
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1985: Endlich war die Militärdiktatur überwunden und in Brasilien herrschte Aufbruchstimmung, doch waren die ersten Präsidenten selbst in Korruption und Vetternwirtschaft verstrickt.



1960:  Brasilia wurde als neue Hauptstadt Brasiliens eingeweiht.

Quelle: swissinfo.ch
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1889: Der Kaiser Petro II wurde gestürzt und die erste Föderative Rebublik Brasiliens verkündet. Brasilien wurde zu einer Militärdiktatur.

theapricity.com
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1888: Als letztes Land der Erde verbot Brasilien die Sklavenhaltung.



1831: Infolge der Thronübernahme des erst fünfjährigen Petro II begannen blutige Unabhängikeitsbewegungen in Belem und später auch im Süden Brasiliens. Die Aufstände konnten nur mit Waffengewalt niedergeworfen werden.



1815: Im Verlauf des Wiener Kongresses erhielt Brasilien den Status eines Königreichs, König Joao VI zog nach Portugal zurück und setzte seinen Sohn Dom Pedro als Regenten von Brasilien ein.

Quelle: hypotheses.org
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1808: Rio de Janeiro wurde auch die Hauptstadt des Königreichs Portugal, flüchtete doch der portugiesische Hof vor Napoleon nach Brasilien.



1805: Der Kaffeanbau wurde in Brasilien eingeführt.

Quelle: brasilien.org
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1789: Die Unabhängigkeitsbestrebungen nahmen in Brasilien zu. Aufstände scheiterten jedoch noch.



1763: Rio de Janeiro wurde zur neuen Hauptstadt Brasiliens ernannt.



1630: Die holländische Westindien-Kompanie eroberte Recife und konnte erst 1654 durch die Portugiesen wieder vertrieben werden.



1554: Die Jesuiten Manuel da Nobrega und José de Anchieta gründen Sao Paulo.

 Quelle: brasilportal.net
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1520: Die Portugiesen begannen mit dem Anbau von Zuckerrohr. Die ersten Indianer-Sklaven wurden aus dem Hinterland herangeschleppt, bis 1538 weitere Sklaven aus Afrika herangeschaft wurden.



1500: Der Seefahrer Pedro Alvares Cabral nahm Brasilien für die portugiesische Krone in Besitz. Die dort lebenden Tupi-Indianern leisteten ihm keinen Wiederstand.

Quelle: campus.nzz.ch
Quelle: campus.nzz.ch


1494: Der Papst Alexander VI. teilte im Vertrag von Tordesillas die neue Welt unter Spanien und Portugal auf. Geographisch wurde das Gebiet Brasiliens den Portugiesen zugeordnet.

Quelle: ddc.arte.tv
Quelle: ddc.arte.tv


Quellen: 

spiegel.de (2018)

spiegel.de (2017)

nzz.ch (2017)

zeit.de (2015)

handelszeitung.ch (2014)

diepresse.com (2014)

derbund.ch (2014)

brasilportal.net (2014)

brasilienportal.ch (2014)